Oliver Korte charakterisiert eine seiner zentralen Werkgruppen als "landschaftlich". Diese oft winterlichen Stücke kreisen stets um das Assoziationsfeld Kälte – Stille – Leere. Dazu zählen das frühe Ensemblestück "Wintergesänge" über acht japanische Haikus, das Klavierstück "zögern ... schweigen", das Sextett "rien nul" und vor allem die Kantate "Essay". Letztere wurde 2005 in der Berliner Philharmonie durch die Sopranistin Silvia Weiss, die Berliner Cappella und das Deutsche Filmorchester unter der Leitung von Kerstin Behnke uraufgeführt. Als Textgrundlage dienen neben je einem Satz der Philosophen Montaigne, Voltaire und Pascal vor allem Wetterberichte. "Essay" möchte gehört werden, wie man Wetterlagen erlebt.

Den "landschaftlichen" Stücken stehen ganz anders geartete Kompositionen gegenüber, die sich durch eine oft treibende Motorik auszeichnen. Charakteristisch für diese zumeist schlagzeugbetonten Werke ist die Arbeit mit komplexen rhythmischen und metrischen Überlagerungen; so in "Music for a Wolf" für Marimba solo oder den kristallinen Studien "Frost" für Glockenspiel und Klavier. Das Hauptwerk dieser Gruppe ist das 2006/07 als Auftragswerk für die Niederrheinischen Sinfoniker entstandene Konzert "Die Elemente" für zwei Schlagzeuger und Orchester, dessen sieben Sätze sich jeweils auf eine andere chemische Grundsubstanz beziehen. Überhaupt sind es immer wieder (Werk-)stoffe und Substanzen, an denen sich Kortes kompositorische Phantasie entzündet.

Das Chorstück "alles fort" (1998/99) war der Ausgangspunkt für die Entwicklung kalkulierter Streuungsverfahren. Seit dem arbeitet Korte vermehrt mit wechselnden Dichten und Körnungen sowie gezielten Unschärfen; so bezeichnet er seine Komposition "Kies" (2002) für vier Klarinetten als "Musikalisches Schüttgut".

Der Raum spielt gerade in Kortes neueren Werken eine wichtige Rolle. Zu Stücken, deren Disposition in getrennten musikalischen Schichten eine räumliche Vorstellung evoziert, kommen vermehrt konkrete Raumkompositionen. In "alles fort" sind drei gleich große Chorgruppen im Auditorium verteilt, in "Essay" stehen dem Orchester drei kleine Fernensembles ("Concertini") gegenüber. Schließlich bilden in Kortes jüngstem Orchesterstück "Epiphanie" (2007) die Musiker einen Kreis um das Publikum.